Adduktorenschmerzen – nicht nur ein Fussballerproblem

Die Adduktoren sind die Muskeln, die das Bein zum Körper hinziehen. Bei vielen sportlichen Bewegungen sind sie beteiligt: beim Fußball bei jedem Schuss mit dem Innenrist, generell bei Ballsportarten bei schnellen Richtungswechseln. Wird diese Muskelgruppe überlastet, so kommt es zu typischen Schmerzen im Bereich der Leistengegend oder des Schambeins. Hier setzen die Muskeln über Sehnen an den Knochen des Schambeins an. Manche Ansatzstellen sind nur so groß wie ein Euro-Stück. Da wundert es nicht, dass bei einer ständig wiederkehrenden Belastung der Zug auf der Sehne so groß wird, dass es zu Reizungen und zu Entzündungszuständen kommt. Das Problem betrifft Sportler allen Alters und aller Klassen. Vor allem Fußballer sind gefährdet, da viele fußballtypische Bewegungen (Schuss mit dem Innenrist, Ballannahme in der Luft mit gebeugtem Knie und Hüftgelenk) die Adduktorenansätze stark belasten: Ex-Bundesliga-Profi Carsten Jancker wurde letztlich eine Entzündung von Adduktorenansätzen und Schambein zum Verhängnis.

Die Adduktoren (Beinbeizieher): ihre Ansatzstellen am Schambein sind teilweise sehr dünne Sehnen, die leicht reizen können.(Grafik: Ludwig)

Je schlechter die Adduktoren gedehnt sind, umso stärker ziehen ihre Sehnen an den Beckenknochen; die Knochenhaut kann sich dadurch entzünden. In den Phasen des starken Körperwachstums verkürzen die Muskeln sogar noch leichter, denn der Knochenapparat wächst schneller, als die Muskeln mitgedehnt werden, so dass der Muskel scheinbar zu kurz wird. Deshalb sind im Fußball gerade bei C- und B-Jugendspielern solche Beschwerden nicht selten.

Entsteht ein starker Reizzustand, von dem auch die Knochenhaut, an der die Sehnen ansetzen, betroffen sein können, dann wird das Fußballspielen zur Qual. Eine Untersuchung durch den Arzt ist unbedingt nötig, um die Diagnose zu stellen und Therapiemöglichkeiten festzulegen. Durch physiotherapeutische Behandlung wird danach meistens der Muskel gelockert und gedehnt; aber auch Übungen zu Hause müssen oft gemacht werden, um die Geschmeidigkeit der Muskeln wieder herzustellen und dadurch den Zug auf den Sehnen zu verringern. Oft muss der Arzt eine Zeitlang sogar ein totales Sportverbot aussprechen.

In jedem Fall lohnt es sich bei Adduktorenproblemen aber auch, einen Blick auf die Körperstatik zu werfen. Bei Beinlängendifferenzen beispielsweise verschieben sich die Beckenknochen gegeneinander. Es entstehen Rotations- und Kippbewegungen zwischen den einzelnen Beckenknochen. Auch die Schambeinsymphyse, die knorpelige Verbindung der Schambeine in der Dammgegend, kann durch diese Verkantungen gereizt werden. In dem Moment, in dem die Körperstatik wieder eingerichtet ist, nimmt auch die (Fehl-) Belastung im Beckenbereich ab. Eine biomechanische Vermessung macht deshalb fast immer Sinn.

Wenn Sie bezüglich einer biomechanischen Vermessung eine weitere Beratung wünschen, so sprechen Sie uns bitte an: 0681 – 90 68 60.

(Foto Fußballer (c) fotolia.de, Grafik (c) O. Ludwig)