Laufschuhe: worauf müssen Sie achten?

Die Vielzahl an Sportschuhen, speziell für den Laufsport, ist fast unüberschaubar geworden. Meist sind sich gerade Neuanfänger unschlüssig, worauf beim Schuhkauf zu achten ist.

Aufbau eines Laufschuhes
Als Schaft (1) wird der Teil bezeichnet, der den Fuß umhüllt und schützt. Herkömmliche Sportschuhe haben meist einen Schaft aus Leder, Nylon oder wasserdichten Membranen.
Die Brandsohle (2) ist eine aus wasserdichter Hartpappe bestehende Sohlenschicht, die auf die Zwischensohle aufgeklebt wird und den Schaft mit der Zwischensohle verbindet.
Zwischen Laufsohle und Brandsohle befindet sich die Zwischensohle (3) oder Mittelsohle. Sie ist meist aus EVA (Ethyl-Vinyl-Acetat) oder PU (Poly-Urethan) hergestellt und hat die Hauptdämpfungsfunktion.
In die Zwischensohle sind – herstellerspezifisch – die unterschiedlichsten Dämpfungssysteme (5) eingearbeitet. Beispielsweise findet man unter der Ferse luft- oder gelgefüllte Kammern, oder Wabensysteme. Teilweise bestehen die Zwischensohlen im Fersenbereich auch aus reinem PU oder reinem EVA.

PU ist sehr langlebig, aber ein träges und schweres Dämpfungsmaterial. EVA ist sehr leicht und besitzt eine sehr gute Dämpfungsfunktion, ist allerdings bei weitem nicht so haltbar wie PU.
Die Laufsohle (4) stellt den Kontakt zum Boden her und muß daher aus abriebsfestem Material bestehen. Meist werden Hartgummi, Karbongummi oder ein EVA-Gummigemisch verwendet.

Anpassung an Laufstil und Fußfehlstellungen
Eine stabile Fersenschale (in der Regel aus Kunststoff) wird in das Schaftmaterial im Fersenbereich eingearbeitet. Sie umfaßt die Ferse von hinten und soll ein Einknicken des Rückfußes verhindern. Bei einem Knickfuß auf gute Fersenschale achten! In die Zwischensohle wird im inneren Mittelfußbereich oft eine Pronationsstütze (Mittelfußstütze) eingearbeitet. Sie soll ebenfalls das Einknicken verhindern und ist bei Knickfußläufern unerläßlich. Hier ist jedoch nicht alles Gold, was glänzt: das Material der Zwischen-sohle muß ausreichend hochgezogen werden, damit der Schuh überhaupt stützt. Zum Test von innen gegen das Material drücken und prüfen, ob es nachgibt oder dem Druck Widerstand entgegenbringt. Oft sind die Pronationsstützen nur sehr halbherzig gefertigt, hören bereits auf der Höhe des Schaftes auf (wirken also nicht) oder sind zu weit hinten angebracht (wirken also falsch). Mitunter ist das Material auch einfach zu weich und kann deshalb nicht wirkungsvoll stützen.

Die Fersendämpfung soll die Belastungsimpulse, die beim Laufen auftreten (siehe auch Kapitel „Sport und Belastung“), reduzieren. Hier wird aber oft des Guten zuviel getan: eine zu starke Dämpfung macht den Rückfuß instabil und ist bei starken Knickfußläufern keineswegs zu empfehlen. Hohlfußläufer empfinden jedoch eine starke Fersendämpfung in der Regel als sehr angenehm. Auch Läufer mit Achillessehnenproblemen sollten von einer zu hohen Dämpfung Abstand nehmen. Durch die Instabilität des Fersenbeines beim Aufprall wird ein starker und oft asymmetrischer Zug auf die Achillessehne ausgeübt, was zu den bekannten Sympto-men führen kann. In diesen Fällen sollte auf eine geringere Dämpfung und eine geringere Höhe der Zwischensohle im Fersenbereich geachtet werden.

Eine Flexionskerbe im Vorfußbereich erlaubt ein gutes Abrollen des Vorfußes und ist insbesondere beim rigiden (harten und unbeweglichen) Hohlfuß wichtig. Da die Abrollbewegung im Bereich der Zehengrundgelenke stattfindet, sollten Sie prüfen, ob die Flexkerbe auch wirklich hier positioniert ist. Die Schnürung sollte von unten nach oben straff gezogen werden und den Fuß satbilisieren. Schuhe, die nur im oberen Bereich straff geschnürt werden, haben auch nur hier einen guten Halt und stabilisieren den Fuß nicht.

Eine gerade Leistenform wird in der Regel bei Läufern mit Problemfüßen empfohlen. Hier kann man orthopädische Einlagen am besten „unterbringen“ und die Stabilität des Fußes wird am besten gewährleistet. Gebogene Leisten werden bei Wettkampfschuhen bevorzugt, weil sie den Abrollvorgang begünstigen und beschleunigen. Bei Fußfehlstellungen ist jedoch oft Vorsicht geboten, weil die Stabilität geringer ist. Ist ein Läufer mit orthopädischen Einlagen versorgt, so muß darauf geachtet werden, daß der Schuh die Einlage genügend stützt. Anti-Pronationsstützen und ein möglichst gerader Leisten sind hierfür wichtig. Ist der Schuh zu weich gearbeitet, so „schwimmt“ der Fuß mitsamt der Einlage im Schuh, und die Wirkung der Einlage wird neutralisiert.

Es empfiehlt sich – speziell bei Knickfüßläufern („Überpronierern“) der „Putzlappentest“: läßt sich der Schuh um die Längsachse wie ein Putzlappen auswringen, so verfügt er nicht über die nötige Torsionsstabilität. In der Querachse (von vorne nach hinten) sollte sich die Sohle jedoch durchaus durchbiegen lassen, um ein gutes Abrollen des Fußes zu unterstützen.

© O. Ludwig